Der Schweizer Markt für Bodenbeläge entwickelt sich stabil, bleibt aber von strukturellen Herausforderungen geprägt. Betriebe melden anhaltenden Fachkräftemangel, der die Auftragsabwicklung verzögert. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach nachhaltigen und wohngesunden Lösungen – ein Trend, der auch Maler- und Bodenlegerhandwerke zwingt, ihr Portfolio und ihre Beratungsleistung anzupassen.
Personalknappheit bremst Auftragswachstum
Schweizer Bodenleger und Maler berichten übereinstimmend von Schwierigkeiten bei der Personalsuche. Offene Stellen bleiben monatelang unbesetzt, besonders im ländlichen Raum. Die Folge: Betriebe lehnen Aufträge ab oder schieben Projekte auf. Dieser Engpass trifft nicht nur kleine Handwerksbetriebe, sondern auch mittelständische Unternehmen mit etabliertem Kundenstamm. Digitale Ausbildungsmodelle und verkürzte Einarbeitungsprozesse rücken daher in den Fokus, wie auch die Diskussion um digitale Ausbildungsmodelle zeigt.
Parallel verschärft sich der Wettbewerb um qualifiziertes Personal mit angrenzenden Gewerken. Trockenbauer und Parkettleger konkurrieren um dieselben Fachkräfte. Einige Betriebe reagieren mit höheren Einstiegslöhnen und flexiblen Arbeitszeitmodellen, andere investieren in firmeninterne Schulungsprogramme.
Materialkosten und Lieferketten stabilisieren sich
Nach den Turbulenzen der Vorjahre haben sich Materialpreise weitgehend eingependelt. Vinylbeläge, Designböden und Linoleum sind wieder planbar verfügbar. Dennoch bleiben die Kosten gegenüber 2020 um 15 bis 20 Prozent höher. Betriebe kalkulieren daher genauer und setzen verstärkt auf langfristige Lieferverträge mit regionalen Händlern.
Die Nachfrage nach Grundierungen und Vorarbeiten steigt, da Bauherren zunehmend Wert auf fachgerechte Untergrundvorbereitung legen. Auch Spachtelmassen verzeichnen stabile Absatzzahlen, vor allem im Renovierungssegment. Schweizer Betriebe setzen dabei häufig auf Produkte von KABE Farben und Akzo Nobel Schweiz, die speziell für das lokale Klima und Baustandards ausgelegt sind.
Nachhaltigkeit als Kaufargument
Wohngesundheit und Emissionsarmut sind keine Nischenthemen mehr. Schweizer Bauherren fragen gezielt nach Low-VOC-Bodenbelägen und natürlichen Beschichtungen. Die Nachfrage nach nachhaltigen Beschichtungen und Low-VOC-Materialien wächst kontinuierlich. Kork, Linoleum und geölte Holzdielen erleben ein Comeback, während PVC-Beläge in Neubauprojekten seltener spezifiziert werden.
Betriebe, die Beratungskompetenz zu Umweltlabels und Raumluftqualität aufbauen, berichten von Wettbewerbsvorteilen. Einige Bodenleger bieten mittlerweile Luft-Analysen nach Verlegung an und stellen Zertifikate aus – ein Service, der Privatkunden und gewerbliche Bauherren überzeugt.
Digitale Tools ergänzen klassische Musterbücher
Augmented-Reality-Apps zur Visualisierung von Bodenbelägen werden in der Schweiz zunehmend eingesetzt. Kunden können per Smartphone verschiedene Dekore und Oberflächen in ihren Räumen simulieren. Das spart Musterbestellungen und reduziert Retouren. Einige Handwerksbetriebe integrieren solche Tools in ihre Website und bieten virtuelle Erstberatungen an.
Die Kombination aus digitaler Vorauswahl und persönlicher Fachberatung vor Ort hat sich bewährt. Kunden treffen besser informierte Entscheidungen, was Reklamationen und Nachbesserungen reduziert. Gerade kleinere Betriebe profitieren von dieser Effizienzsteigerung, wie das Beispiel eines Bodenlegers zeigt, der Pflegeberatung als Kundenbindung nutzt.
Regulierung und Normung: Kantone setzen eigene Akzente
Die MuKEn-Vorgaben zu Gebäudehüllen wirken sich auch auf Bodenaufbauten aus, insbesondere bei Trittschalldämmung und Wärmebrücken. Kantonale Unterschiede erschweren jedoch standardisierte Lösungen. Betriebe, die überregional arbeiten, müssen sich mit bis zu zehn verschiedenen Vorschriftenpaketen auseinandersetzen.
Für Maler- und Bodenlegerhandwerke bedeutet das: Fortbildung zu Bauphysik und Normen wird Pflicht. Wer bei Altbausanierungen und energetischen Renovierungen mitreden will, braucht aktuelles Wissen zu Dampfbremsen, Feuchtemanagement und Dispersionsfarben mit geeigneten Diffusionswerten.
Ausblick: Sanierung vor Neubau
Die Schweizer Bautätigkeit verschiebt sich weiter Richtung Bestand. Sanierungsprojekte machen mittlerweile über 60 Prozent des Auftragsvolumens aus. Bodenbeläge werden dabei oft im Zuge von Gesamtsanierungen erneuert, was Koordination mit Heizungsbauern, Elektrikern und Malern erfordert.
Betriebe, die sich auf Altbausanierungen spezialisieren, profitieren von dieser Entwicklung. Förderprogramme wie das Gebäudeprogramm CH unterstützen energetische Maßnahmen und schaffen zusätzliche Nachfrage nach fachgerechter Ausführung.
Der Schweizer Bodenbelagsmarkt bleibt damit ein Wachstumsfeld – für Betriebe, die Fachkräfte halten, digitale Services integrieren und sich in Sachen Nachhaltigkeit positionieren.