Der Schweizer Markt für Denkmal & Restaurierung steht im Juli 2026 vor strukturellen Herausforderungen. Während in Deutschland und Österreich Aufträge wegbrechen, zeigt sich auch in der Schweiz eine verhaltene Entwicklung. Viele Malerbetriebe berichten von stagnierendem Auftragsvolumen im Bereich historischer Gebäude, obwohl der Bestand an denkmalgeschützten Objekten gleichbleibend hoch ist.

Warum fehlen Aufträge in der Denkmalrestaurierung?

Die Gründe ähneln jenen in den Nachbarländern: Unsicherheit bei privaten Eigentümern über Energievorschriften, verzögerte Förderbewilligungen und strenge kantonale Auflagen bei Denkmalschutzobjekten. Viele Kantone haben die MuKEn 2014/2025 noch nicht vollständig in kantonales Recht überführt, was Planer und Bauherren verunsichert. Die Folge: Sanierungsprojekte werden verschoben oder in kleinteilige Etappen zerlegt, die für spezialisierte Restaurierungsbetriebe wirtschaftlich schwer abzubilden sind.

Im Vergleich zu Deutschland, wo laut einem aktuellen Artikel Denkmal-Restaurierung: Warum in Deutschland aktuell Aufträge wegbrechen die Auftragslage massiv eingebrochen ist, bleibt die Schweiz stabiler – aber das Wachstum fehlt. Besonders kleinere Betriebe, die sich auf traditionelle Techniken wie Stucklüstung oder historische Kalkputz-Verarbeitung spezialisiert haben, spüren den Druck.

Produktangebot und Materialverfügbarkeit

Im Bereich spezialisierter Restaurierungsmaterialien bleibt das Angebot in der Schweiz konstant. Anbieter wie Keim Farben (Website) und Adler Lacke (Website) liefern mineralische Systeme und atmungsaktive Lasuren, die für denkmalgeschützte Fassaden zugelassen sind. Neue Produkteinführungen speziell für den Schweizer Markt gab es in den letzten 30 Tagen jedoch nicht.

Die Verfügbarkeit traditioneller Materialien – etwa Sumpfkalk oder historische Pigmente – ist stabil, aber teuer. Import aus Deutschland oder Italien bleibt üblich, was die Marge drückt. Akzo Nobel Schweiz (Website) und KABE Farben (Website) decken mit ihren regionalen Sortimenten vor allem den Standard-Sanierungsbereich ab, weniger die hochspezialisierte Denkmalpflege.

Förderung und Regulatorik: Stillstand statt Innovation

Das nationale Gebäudeprogramm CH fördert primär energetische Sanierungen – WDVS, Fenster, Heizung. Für denkmalpflegerische Fassadenarbeiten ohne energetischen Mehrwert gibt es keine direkten Bundeszuschüsse. Kantone wie Bern, Zürich und Basel-Stadt bieten teils eigene Denkmalförderungen, deren Budgets aber stagnieren oder sinken. Zudem sind Bewilligungsprozesse langwierig: Vom Antrag bis zur Zusage vergehen oft sechs bis neun Monate, was Projekte verzögert.

Parallel dazu verschärfen sich Anforderungen an Arbeitsschutz und Materialentsorgung. Asbest in Altbauten bleibt ein Dauerthema; ein aktueller Bericht Asbest im Altbau: Malerhandwerk braucht bessere Vorbereitung zeigt, dass Betriebe rechtlich besser geschult sein müssen. Ohne Asbestfreigabe durch zertifizierte Gutachter dürfen viele Altbaufassaden nicht angegangen werden – ein weiterer Verzögerungsfaktor.

Trends und Ausblick

Drei Entwicklungen prägen den Markt aktuell:

  • Hybridprojekte: Eigentümer kombinieren Denkmalschutz mit energetischer Ertüchtigung – etwa Innendämmung statt Außen-WDVS. Das erfordert von Malerbetrieben neue Kompetenz in Dampfdiffusion und feuchteadaptiven Systemen.
  • Digitale Dokumentation: Denkmalpflegerische Auflagen verlangen zunehmend photogrammetrische Aufmasse und digitale Farbanalysen. Betriebe, die diese Leistung nicht selbst erbringen, müssen externe Büros einschalten – zusätzlicher Aufwand, der selten vergütet wird.
  • Fachkräftemangel: Spezialisierte Gesellen für Stuck, Spachteltechnik und historische Oberflächengestaltung sind rar. Nachfolger fehlen, und die Ausbildung ist nicht auf Denkmalpflege fokussiert.

Ohne gezielte Förderimpulse und schnellere Bewilligungsverfahren dürfte der Schweizer Denkmalrestaurierungs-Markt im zweiten Halbjahr 2026 weiter stagnieren. Betriebe, die sich breit aufstellen und auch Standard-Sanierung anbieten, fahren derzeit sicherer als reine Spezialisten.