Minergie hat seinen Bereich zur Systemerneuerung aktualisiert. Der Schweizer Gebäudestandard reagiert damit auf die steigende Zahl von Altbauten, die ohne Vollsanierung energetisch aufgewertet werden sollen. Die neue Minergie-Richtlinie definiert konkrete Anforderungen für schrittweise Sanierungen – relevant für Tausende Hauseigentümer und die Schweizer Klimaziele.

Bislang setzte Minergie vor allem auf Vollsanierungen mit kompletter Gebäudehülle und Haustechnik. Die Systemerneuerung erlaubt nun modulare Maßnahmen: Fassade, Fenster und Dach können zeitversetzt erneuert werden, solange definierte Energiekennzahlen erreicht werden. Für Malerbetriebe bedeutet das mehr Projekte im Bestand – aber auch neue Anforderungen an Materialwahl und Ausführung.

Die Richtlinie legt fest, dass bei der Fassadenfarbe und Dämmstoffdicke Minergie-Mindestwerte eingehalten werden müssen, auch wenn die Sanierung in Etappen erfolgt. Konkret fordert Minergie U-Werte von maximal 0,20 W/(m²·K) für die Außenwand – das entspricht einer Dämmstärke von rund 16 bis 20 cm bei gängigen Wärmedämmverbundsystemen. Fassadenbetriebe müssen bei der Ausführung darauf achten, dass Anschlüsse und Details bereits für spätere Sanierungsschritte vorbereitet sind.

Die schrittweise Sanierung erhöht die Anforderungen an die Koordination: Wenn Fassade und Dach in unterschiedlichen Jahren erneuert werden, müssen Anschlüsse und Dampfsperren aufeinander abgestimmt sein. Hier wächst die Bedeutung der Planungsqualität – und der Beratungskompetenz von Malerbetrieben, die den Eigentümer über mehrere Jahre begleiten.

Für die Schweizer Maler- und Fassadenbranche entstehen neue Geschäftsfelder: Statt punktueller Anstricharbeiten steigt die Nachfrage nach umfassenden Sanierungskonzepten mit Grundierung, WDVS und langlebigen Beschichtungen. Minergie setzt damit ein Signal, dass auch im Bestand ambitionierte Standards erreichbar sind – ohne dass Eigentümer auf einen einmaligen Großumbau warten müssen.

Die Systemerneuerung fügt sich in die Schweizer Förderlandschaft ein: Das nationale Gebäudeprogramm fördert energetische Sanierungen mit Zuschüssen von bis zu 40 Prozent der Investitionskosten. Wer Minergie-Standards einhält, profitiert zusätzlich von Boni und regionalen Fördermitteln. Die neue Richtlinie könnte deshalb die Zahl der Förderfälle deutlich steigern – und Malerbetrieben planbare Auftragsvolumen bringen.

Parallel hat Minergie seine Geschäftsstellenstruktur reorganisiert, um die Beratungsleistung zu verbessern. Die Kombination aus vereinfachtem Sanierungsweg und stärkerer Beratung soll die Schweizer Renovierungsquote bis 2030 verdoppeln – ein ehrgeiziges Ziel, das auch die Nachfrage nach Spachtelmasse, Armierung und Oberflächentechnik spürbar beeinflussen dürfte.

Weitere Informationen zur Dämmstoff-Praxis und energetischen Sanierung bietet der Artikel Cortexa positioniert WDVS als Schlüssel zur Bauwende. Auch in der EU rücken schrittweise Sanierungen in den Fokus: Die EU hat gegen 19 Staaten Verfahren wegen fehlender Gebäudesanierungspläne eingeleitet.