Der Schweizer Gebäudestandard Minergie setzt Holzbau als zentrales Element auf dem Weg zur Klimaneutralität. Die Initiative verknüpft Baustoffwahl, CO2-Speicherung und regulatorische Zielpfade für den Gebäudesektor. Für Architekten, Planer und ausführende Betriebe ergeben sich daraus neue Anforderungen an Materialkompetenz und Ausschreibungen.
Holz speichert pro Kubikmeter rund eine Tonne CO2 dauerhaft – ein Vorteil gegenüber konventionellen Baustoffen, die in der Herstellung hohe Emissionen verursachen. Minergie argumentiert, dass nur durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe die Klimaziele des Pariser Abkommens im Bausektor erreichbar sind. Das betrifft Neubau und Sanierung gleichermaßen. Die Strategie zielt auf die Systemerneuerung bestehender Gebäude und die Reduktion grauer Emissionen.
In der Praxis stehen Maler- und Fassadenbetriebe vor neuen Anforderungen: Holzfassaden benötigen andere Oberflächenbehandlungen als mineralische Untergründe. Lasuren und diffusionsoffene Beschichtungen gewinnen an Bedeutung, wenn Holzelemente sichtbar bleiben sollen. Auch bei hinterlüfteten Fassadenkonstruktionen aus Holz verändert sich die Auftragsstruktur – klassische WDVS-Applikation entfällt teilweise, dafür steigen Anforderungen an Holzschutz und UV-beständige Anstriche.
Problematisch bleibt die Schnittstelle zwischen Holzbau und Dämmstoffen. Mineralische Systeme, etwa Fassadenfarben auf Silikat- oder Silikonharzbasis, sind für Holzuntergründe oft ungeeignet. Hersteller wie Keim Farben und Adler Lacke bieten spezialisierte Holzlasuren, doch das Sortiment bleibt fragmentiert. Betriebe müssen Produktkompetenz aufbauen, um Gewährleistungsrisiken zu vermeiden.
Regulatorisch wirken die MuKEn-Vorgaben der Schweizer Kantone als Treiber. Sie fordern strengere Dämmwerte und CO2-Bilanzen bei Neubauten und Sanierungen. Holzbau erfüllt diese Anforderungen oft kostengünstiger als Stahlbeton – allerdings nur, wenn Planung und Ausführung koordiniert ablaufen. Fehlende Detailplanung bei Anschlüssen oder ungeeignete Beschichtungen führen zu Schäden und Nachbesserungen.
Für Malerbetriebe bedeutet die Holzbau-Offensive von Minergie: Weiterbildung in Holzoberflächentechnik wird Pflicht, wenn Aufträge in diesem Segment akquiriert werden sollen. Gleichzeitig sinkt mittelfristig das Volumen klassischer mineralischer Fassadenanstriche, wenn Holz Marktanteile gewinnt. Die Reorganisation der Minergie-Geschäftsstellen soll die regionale Umsetzung der Holzbau-Strategie beschleunigen. Ob sich der Baustoff flächendeckend durchsetzt, hängt von Verfügbarkeit, Brandschutzauflagen und Akzeptanz bei Bauherren ab.